Das Tollste, was wir bisher gesehen haben, ist der Wandteppich von Bayeux. Das ist ein 50 cm hoher und 70 Meter langer Wandteppich, auf dem in 58 Einzelszenen die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer aufgestickt sind.
Es beginnt damit, dass Wilhelm die Nachricht erhält, dass er Thronfolger des englischen Königs geworden ist, weil dieser verstorben ist. Und endet mit der Schlacht von Hastings, wo er im Jahre 1066 seinen Anspruch auf den Thron gegen den verräterischen Neffen Harold durchsetzen konnte. Diese Geschichte wird erzählt, so dass auch die Menschen, die nicht lesen konnten, also fast alle, sie gut verstehen konnten. Anschaulich, teils witzig, dramatisch, packend. Auch heute noch fiebert man mit, spürt die Anspannung, wenn die Ritterheere aufeinander treffen und sich gegenseitig den Schädel einschlagen. Apropos Schädel einschlagen, eines der nette Details: der Bruder von Wilhelm war Odo, Bischof von Bayeux. Er zog mit gen Engeland. Da ihm als Gottesmann aber verboten war, Blut zu vergießen, er durfte also kein Schwert tragen, nahm er seine Keule mit. Die durfte er mit kirchlichem Segen benutzen und das tat er auch.
Also ein grandioses Werk, von der Idee über die Dramaturgie bis hin zur Ausführung. Alles gestickt, Wolle auf Leinen, und hält bis heute! Der Erzähler des Audio-Guide hat uns den Teppich anschaulich erklärt.
Auch ansonsten ist Bayeux sehenswert, es wurde im Krieg nicht bombadiert und hat seinen eigenen Charme behalten. Bis heute ist Bayeux Bischofssitz, hat also eine Kathedrale und die ist wieder ein gotisches Meisterwerk.
Kleine Beobachtung am Rande: Wir essen gegenüber der Kathedrale zu Mittag. Neben uns sitzt ein Mann, so um die 50. Er hat die Schuhe ausgezogen, seine nackten Füße streckt er demonstrativ von sich - schaut her, was ich mich traue - seine Fußnägel sind blau lakiert. Ihm gegenüber ein etwa 16-jähriger Junge, ziemlich scheu und unsicher. Draußen dann umarmt der Mann den Jungen innig und küßt ihn. Vera sagt: wie Tadzeo bei Thomas Mann, Tod in Venedig. Ein Liebhaber mit seinem Lustknaben.
Wir lassen uns treiben und landen in Arramanches-les-Baines, einem hübschen Badeort. Fast zwangsläufig in dieser Gegend, sind auch hier die Alliierten am 6. Juni 1944 gelandet, entsprechend ist der Rummel. Museum, Kanonen von damals stehen herum, Kettenfahrzeuge, Geschäfte mit Militaria und alten Originalkleidungsstücken der Army, der Kanadier, der Briten. In ein Geschäft gehe ich hinein. Es gibt nur die Alliierten. Ich frage den Verkäufer nach einer Wehrmachtsuniform. Er sieht mich an, als sei ich der Leibhaftige. Ich erkläre ihm, dass mein Vater hier stationiert war und dass ich nur einen Scherz gemacht habe. Er entspannt sich. Beim Hinausgehen fragt er mich dann, wo mein Vater stationiert war und wir kommen in ein ernsthaftes Gespräch.
Jedenfalls wird die Geschichte von den Siegern geschrieben und der Devotionalienhandel von ihnen bestimmt.
Wir fahren weiter die Küste entlang. Sie hat viele Passagen, die unverbaut sind, wo man direkt durch Wald oder Gebüsch an den Sandstrand gelant. Möge es so bleiben!
Es ist Abend geworden. Wir beschließen noch einen Absacker in Cabourg zu nehmen. Ein eher modernes Städtchen, aber sehr belebt und geschäftig. Die Hauptstraße ist auf das "Grand Hotel" gerichtet, das direkt am Strand liegt. Da müßte man mal wohnen, so für drei Tage. Ein Prachtbau, vorne das Meer, hinten ein Platz mit schönen, alten Häusern und dann die Hauptstraße.
Zu Hause dann noch das Nachtmal, klassisch. Rotwein, Baguette, Camembert. Merveilleuse!
Und, beinahe hätte ich es vergessen: köstlicher Cidre.
| Nachtrag von gestern. Kathedrale von Lisieux mit Vera in Anmarsch |
| Kathedrale von Lisieux |
| Eine der seltenen Kirchen aus Holz. Hier die in Honfleur. |
| Honfleur am Abend. Der gesamte Kai ist von Restaurants belegt. |
| Häuserzeile in Honfleur |
| Die wiederum gigantische, beeindruckende Kathedrale von Bayeux |
| Am Strand von Arramanches-les-Baines |
| Strand dortselbst |
| Das "Grand Hotel" in Cabourg |
| Blick auf den Vorplatz des "Grand Hotels" |
| Die Promenade von Cabourg (vom Grand Hotel aus gesehen!) |
| Absacker, im Hintergrund das "Grand Hotel" |
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