Dienstag, 15. August 2017

9. und letzter Tag Horn

Enkhuizener haben die Ruhe weg. Gegen 10 Uhr machen die ersten Geschäfte auf, außer den Bäckern, die haben natürlich schon früher auf. Aber sonst kommt erst alles langsam in die Gänge. Am Hafen räumen die Cafes jetzt die Reste vom Vorabend weg, stellen Stühle und Tische zurecht, Lieferanten kommen und füllen die Lager auf. Wir schlendern gemütlich noch einmal durch den Ort, lassen den Anblick der alten Holzschiffe, der Hausboote, der modernen Jachten auf uns wirken, betrachten noch einmal die schönen Häuser mit den so unterschiedlichen Giebeln, schauen die Grachten hinunter, wo kleine Ruderboote sanft schaukeln und auf den Bänken die ersten Alten Platz nehmen, um sich eine Pfeife zu stopfen oder ein Schwätzchen zu halten.

Enkhuizen ist ein sehr charmantes Städtchen mit freundlichen Menschen, das in seinem eigenen Rythmus lebt und sich auch durch die vielen Tagestouristen nicht groß beeindrucken läßt.

Am Nachmittag raffen wir uns auf, es ist kühl, aber es regnet nicht, und radeln nach Horn, ca. 25 km Radweg entfernt.

Horn ist ebenfalls eine Hafenstadt, hat einen riesigen modernen Jachthafen, der nicht schön ist und einen alten Hafen mit einem mächtigen Stadttor und vielen Cafes und Restaurants. Auch von hier aus fuhr die Ost-Indische Kompanie bis nach Indien und Indonesien und ein Kapitän aus Horn fuhr um die Spitze Südamerikas herum und nannte sie nach seinem Heimatort Kap-Horn, Schauders hieß der Mann. Das erklärt uns am Abend im Chinarestaurant, ein Mann, der aus Enkhuizen stammt, aber seit 22 Jahren in der Schweiz lebt und mit einer Schweizerin verheiratet ist. Sie ermahnt ihn, er solle sich kurz fassen, aber er redet 10 Minuten auf uns ein, irgendetwas über diesen Käp'n Schauders, ich habe es vergessen. Die Radtour war doch anstrengend, zwar nur 50 km, aber mit kräftigem Wind von der Seite.

Das war unser Urlaub in Enkhuizen vom 3.-12.August.

Auf der Skala von 1-10, 9 Punkte für Enkhuizen.
Kritikpunkte: Das Essen in Holland ist halt wie es ist, also nicht so doll. Und das Wetter hat es nicht möglich gemacht, dass wir auch nur einmal baden konnten. Aber das weiß man natürlich vorher, wenn man an die Nordsee fährt.

Ansonsten war es ein wunderbarer, unkomplizierter, erholsamer Urlaub in einer tollen Ferienwohnung.


Wir erfreuen uns noch einmal bei einem Stadtbummel an den alten Gebäuden in Enkhuizen

Im Hafen wird ein Boot aus dem Wasser gehoben, unter allgemeiner Anteilnahme

Es dauert ein bisschen, bis die Tragegurte richtig liegen. Dann macht der Kran seine Arbeit

Den Anblick werden wir vermissen

Tische und Stühle vor der Tür zum Quatschen. Zu Hause in Deutschland haben unsere Nachbarn gerade einen 2 Meter hohen Zaun um ihr kleinen Garten bauen lassen, mit schwarzen Kacheln als Sichtschutz. Das sind halt so die Unterschiede, die den Charakter eines Ortes ausmachen.


Und viele Blumenkübel erfreuen das Auge

Das Rathaus

Radtour nach Horn


Horner Häuser

Das mächtige Stadttor am Hafen



Montag, 14. August 2017

8. Tag Amsterdamer Museen

Bei unserem 1. Besuch in Amsterdam hatten wir einen Eindruck von der Stadt bekommen und sind sie getreu den Anweisungen des Baedeker durchschritten. Diesmal wollen wir uns auf das "Reijksmuseum" und das "Van Gogh-Museum" konzentrieren.

Mit dem Zug, der alle halbe Stunde von Enkhuizen aus fährt, dauert es 1 Stunde, dann sind wir in Amsterdam. Wir laufen ca. 4 km bis zu den Museen.

Die Stadt ist wieder voll, übervoll, Touristen, Touristen ...

Vor dem "Van Gohg-Museum" trifft uns der Schlag. Eine lange Schlange von Menschen, die anstehen, um eine Eintrittskarte zu erwerben. Dann werden sie in Blöcken aufgestaut und blockweise ins Museum geschoben. Nein, dazu haben wir keine Lust. Von Kunstgenuß, verweilen, genießen kann hier keine Rede sein und dazu noch ein vermutlich happiger Eintritt.

Wir schauen uns ein Plakat in der Nähe des Museums an, dass die Planung der Stadt zeigt und kommen mit einem jungen Mann ins Gespräch. Er ist Berater, der die Stadt berät, wie sie die Kosten im Griff behalten kann. Es geht um eine U-Bahn, an der seit 15 Jahren gebaut wird und die bisher 17 Milliarden Euro gekostet hat.

Er erklärt uns: Amsterdam liegt bis zu 5 Meter unter dem Meeresspiegel. Wenn man 10 cm tief gräbt, kommt Wasser. Und die Straße, wo die U-Bahn gebaut wird (war's die Vijzelstraat?), ist links und rechts umgeben von Häusern, die auf jahrhunderte alten Holzpfählen ruhen, die wiederum auf bis zu 300 Meter langen Flößen aus Holz aus dem Schwarzwald auf dem Rhein transportiert wurden. Sie müssen jetzt während des Baus ersetzt werden, weil sie größtenteils morsch sind. Gleichzeitig rieselt der Sand von allen Seiten in die Bausstelle. Planung und Durchführung des Baus seien nicht sorgfältig angegangen worden, so dass jetzt diese imensen Kosten entstanden sind.

Und eine Hochbahn, die ich als Alternative vorschlug, wollen die Amsterdamer nicht, weil sie den Blick auf die schönen Häuser verstellen würde.

Der Mann sagt noch, dass mitlerweile die Weißen in Amsterdam in der Minderheit sind, sie machen nur noch 45% der Bevölkerung aus. Viele Flüchtlinge seien gekommen, er meinte 200.000, und die zögen jetzt ihre Familienangehörigen nach. 5-6 Personen pro Flüchtling, so kämen sie auch auf 1.000.000 wie Deutschland.

Außerdem hätten sie viele Menschen aus Surinam (Indonesien), ihrer alten Kolonie. Das seien auch Niederländer, sie fühlten sich auch so, halt nur mit dunkler Hautfarbe. Aber die seien im Wesentlich integriert und würden auch nur niederländisch sprechen.

Wir fahren zurück, beschließen die Museen einandermal, vielleicht im Winter zu besuchen. Von Amsterdam haben wir erst mal genug und sind froh, als wir wieder "zu Hause" im friedlichen Enkhuizen eintreffen.

Abends essen wir in einem chinesischen Restaurant. Ausgezeichnet! Viele Segler, was generell angenehm ist. Einerseits sind sie gesittet, machen keinen Lärm, andererseits sind sie meistens gut gelaunt und locker drauf. Keine Probleme mit Sandalen, Flip-Flops und kurzen Hosen auch in den besseren Restaurants. Das gefällt Stefan, der immer gerne sein "Spielhöschen" (Turnhose) anhat.



Das Plakat, wo die seit 15 Jahren andauernde Planung erläutert wird.


Vor dem Van-Gogh-Museum

Het spit me nit (Das gefällt mir nicht) - und Vera auch nicht.

Fahrradpolizei im Einsatz vor dem Museum

7. Tag Urk

Heute fahren wir nach Urk, Orks gucken. Nein, Scherz, der Ort heißt wirklich Urk. Ein frühere Insel, daher besteht eine alte Schiffsverbindung nach Enkhuizen. Heute ist Urk Teil des Festland und auch mit dem Auto erreichbar.

Angenehmes Wetter, Sonne, leicht windig, 90 Minuten Überfahrt. Urk ist noch mal eine Ecke ruhiger und traditioneller. Die Menschen gelten als sehr konservativ und religiös. Wir zählen in der Ortsmitte alleine 4 Kirchen. Was macht man hier? Man kommt mit dem Schiff an, läuft einmal durch den Ort, guckt Kirchen, dann kommt man zum Leuchtturm, schaut aufs Meer, genießt die Aussicht, dann läuft man um den Ort herum, landet im Hafen, wo man hergekommen ist. Dann Hunger, was Essen, darauf ist der Ort gut eingerichtet, es gibt viele Imbisse und Restaurants. Dann noch mal Meer gucken, dann tutet der Dampfer. Entspannte Rückfahrt.
Da kann man schon religiös werden und darauf hoffen, dass es im Jenseits etwas spannender wird, so oder so.

Auf der Fahrt kommen wir mit einem Ehepaar ins Gespräch, das aus Australien stammt und 6 Wochen durch Europa, vor allem durch Holland radelt. Sie sind bestimmt über 70 und haben ihr ganzes Gepäck in den Satteltaschen. Radeln sie, weil sie so fit sind und sich auszutoben wollen oder sind sie so fit, weil sie radeln? Auf jeden Fall sind sie rank und schlank und gut gelaunt.

So macht man das, Altersgenossen!





Auch diese Schiffe sind noch in Betrieb

Abfahrt

Das Ziel kommt in Sichtweite



Nach 15 Minuten haben wir die Spitze der Insel erreicht

So sieht es hier aus

Urker Hund, etwas gelangweilt

Dorfansicht mit Kirche

Ein gewaltiger Windpark wurde errichtet, teils im Wasser, teils auf Land


An den Selfies müssen wir noch arbeiten


Wirklich sehr eindrucksvoller Windpark

Und das war Urk

Ob die Segelschiffe manchmal Slalom um die Stangen fahren?

Die Abendsonne glitzert im Wasser


Die alten Holzsegler sind auch noch unterwegs

sehr erholt

Einfach schön zu gucken

6. Tag Zuiderseemuseum

Heute wollen wir uns das Zuiderseemuseum anschauen. Es liegt ein paar 100 Meter von unserem Haus entfernt, am Hafen, Richtung Sandstrand. Das Wetter ist kühl, wolkenverhangen, aber es regnet nicht. 18 Grad.

Das Museum ist gut gefüllt, bei dem Wetter kommen viele Menschen auf die Idee. Das Museum besteht aus einem Dorf, wie es so um das 18. und 19. Jahrhundert ausgesehen hat mit ein paar Ausflügen auch ins frühe 20. Jahrhundert.

Die Häuser wurden nachgebaut oder im Originalzustand hierher transportiert. Das Museum wurde geplant, nachdem der Abschlußdeich 1932 fertig gebaut worden war, der die Zuidersee von der Nordsee trennt und damit nicht nur Schutz vor den Stürmen und Fluten brachte, sondern auch das Leben der Menschen grundlegend veränderte. Seitdem wurde die Zuidersee in Ijsselmeer umbenannt.

Bis dahin waren Enkhuizen und die ganze Zuidersee direkt mit dem Meer verbunden. Von hier aus fuhren die Schiffe bis nach Indien und die  "Niederländische Ostindien-Kompanie" (VOC) trugen erheblich zum Reichtum und Wachsen der Stadt bei. 1622 hatte die Stadt 22.000 Einwohner und war die fünftgrößte Stadt in Holland. Die Einwohnerzahl ging runter auf 5.000, heute sind es wieder 18.000.

Die Fischerboote konnten nicht mehr in der Nordsee fischen, um Kabeljau zu fangen, wofür sie bis nach Grönland gesegelt waren, die Handelsschiffe fuhren ab dann über Amsterdam, Enkhuizen war abgehängt.

Heute lebt die Stadt in erster Linie vom Tourismus, aber auch von Saatzucht und Landwirtschaft.

Also, das Museumsdorf wurde geplant und gebaut, um die Erinnerung an die "gute, alte Zeit", auch das Goldene Zeitalter genannt, wachzuhalten. Das ist gelungen. Die einzelnen Häuser kann man besichtigen, aber auch das Gefühl der Gemeinschaft im ganzen Dorf nachempfinden. Die Häuser haben oft Gärten vor der Tür, wo Obst und Gemüse sorgfältig angepflanzt wurde, sie haben Sitzbänke vor dem Haus, in der Mitte steht die Kirche und man kann sich gut vorstellen, wie die Menschen nach Feierabend sich zum Schwätzchen draußen versammelt haben.

Die alten Gewerke werden gezeigt, zum Teil sitzen da Menschen, die sie noch akutell mit den alten Geräten betrieben. Schmied, Bürstenbinder, Scherenschleifer, Seiler, Segelmacher, Schiffenzimmermann, Korbflechter, Drechsler usw.

Auch heute noch merkt man, wie die Menschen in diesem großen Museum ruhiger werden, weil sie die Straßen ungezwungen und gemächlich nutzen können, die Kinder spielen mit altem Spielzeug, die Smartphones spielen plötzlich keine Rolle mehr, die Enten im Wasser und die grasenden Schafe und Ziegen sind viel interessanter und greifbarer, es ist alles überschaubar und auf menschliche Größe ausgerichtet.

In manchen Häusern hängen Fotos, die die Menschen bei der Arbeit damals zeigen. Es sind ernste, von der Arbeit gekennzeichnete Gesichter, aber es sind keine unglücklichen Gesichter. Man kann sich vorstellen, dass das Leben und die Arbeit hart waren, aber die Menschen haben im Freien gearbeitet oder bei geöffneter Tür, sie hatte ihre kleinen Häuser, ihre Dorfgemeinschaft und sie waren frei. Soweit Lebensdaten bei den Fotos angegeben waren, wurden sie auch sehr alt, oft über 80 Jahre.

Wieder ein neuer Eindruck von Enkhuizen auf uns und ein entspannender, entschleunigender Vormittag, der uns sehr gut gefallen hat. Auf der Skala von 1-10 eine glatte 10.






Die Stadtmauer ist nicht hoch, aber lang. Hier das Tor zum Hafen.


Hinter der Mauer ...


.... liegen die Schiffe


Am Eingang schon mal ein schönes Holzhaus


Jede Menge alte Segelschiffe


Und Frachtschiffe


Schmid


Ein alter Amboß


Wunderschöne Holzschiffe


Die Türme der Muschelkalkbrennerei


Manche alten Segler sind noch aktiv


Dorfidylle



Was da wohl qualmt? Fischräucherei?


Paßt zeitlich nicht ganz, sieht aber schau aus


Die Muschelkalkbrennerei mit Muschelkalkberg


Die meisten Häuser haben einen Garten, wo sie Gemüse anpflanzen


Blick auf  die Stadt vom Museum aus


Hier gibt es was zu essen


Eine Windmühle darf nicht fehlen. Sie ist noch in Betrieb und kann besichtigt werden,


Dorfansicht


Viele Kinder unterwegs
Spielgeräte für jung und alt






Kegelbahn


Labyrinth


Scheiben müssen in die Tore geschubst werden


Noch ein Kahn zum Abschluß des Besuchs





Auf dem Rückweg gehen wir beim Stadtgefängnis vorbei





Gefängniszelle


rechts mit beleuchtetem Klo