Der Regen machte unsere ursprünglichen Pläne zunichte. So wichen wir aus auf das Museum, das dem vortrefflichen "Bénédictine" gewidmet ist, einem Kräuterschnaps, den kundige Alchemisten im Kloster zu Fécamp aus 27 Kräutern kreiert haben - vor 500 Jahren. Ein wacher Unternehmer entdeckte das Rezept wieder und baute um die Produktions- und Lagerhallen herum im Jahre 1892 ein nettes Rokokoschlößchen, das eben jenes Museum beherbergt, das wir heute besichtigen.
Die Besichtigung war gar fad, aber der Bénédictine schmeckt. Wir nehmen 4 Flaschen mit, zwei für den eigenen Bedarf, zwei zum verschenken.
Nun ein wenig Seemansgarn.
Die Gründung Fécamps geht zurück auf den Stamm eines Feigenbaums (lat. ficus), der eines Tages angeschwemmt wurde und einige Tropfen des Kostbaren Bluts Christi enthielt. Diese Reliquie gab im Jahre 658 den Anlaß zum Bau eines Klosters, um das herum die Stadt sich entwickelte.
In der Klosterkirche befindet sich ein weiteres Wunder, nämlich der Fußabdruck des Erzengels Michael, der den Bischöfen befahl, die Kirche der Dreifaltigkeit zu widmen. Deshalb heißt sie "Sainte-Trinite", sie ist die zweitgrößte Kirche Frankreichs.
Auf dem Rückweg fahren wir in Etretat vorbei, halten aber nicht, weil die Zufahrt zur Innenstadt mit Wohnmobilen, der Seuche unserer Zeit, verstopft ist. Wir fahren weiter, erblicken einen einsamen Leuchtturm und haben von da einen wunderbaren Blick auf die erhabene Steilküste, das Kennzeichen der Alabasterküste.
Eigentlich wollten wir schwimmen gehen, dann hätte man Folgendes beobachten können:
"Vera, die ihn aus den Augen verloren hatte, entdeckte seinen Kopf, seinen Arm, mit dem er rudernd ausholte, weit draußen im Meer; denn das Meer mochte flach sein bis weit hinaus. Aber schon schien man besorgt um ihn, schon riefen Frauenstimmen nach ihm von den Hütten, stießen wiederum diesen Namen aus, der den Strand beinahe wie eine Losung beherrschte und mit seinen weichen Mitlauten, seinem gezogenen a-Ruf am Ende, etwas zugleich Süßes und Wildes hatte: »Stefan, Stefan!« Er
gehorchte, er lief, das widerstrebende Wasser mit den Beinen zu Schaum schlagend, zurückgeworfenen Kopfes durch die Flut; und zu sehen, wie die lebendige Gestalt, vormännlich hold und herb, mit triefenden Locken und schön wie ein zarter Gott, herkommend aus den Tiefen von Himmel und Meer, dem Elemente entstieg
und entrann: Dieser Anblick gab mythische Vorstellungen ein, er war wie Dichterkunde von anfänglichen Zeiten, vom Ursprung der Form und von der Geburt der Götter. Vera lauschte mit geschlossenen Augen auf diesen in ihrem Innern antönenden Gesang; und abermals dachte sie, daß es hier gut sei und daß sie bleiben wolle."
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| Die Pont de Normandie. Wir haben Zeit zu fotografieren, denn wir stehen im Stau auf der Brücke. |
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| Fécamps. Dass es von hier aus mal nach Neufundland ging, den Kabeljau zu fangen, ist nicht mehr zu ahnen. |
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| Die Küste bei Fécamp |
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| Krabben |
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| Makrelen, Heringe, Rotbarsch |
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| Rochen, Heilbutt |
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| Hier wird der Bénédictine hergestellt und hier ist seine Geschichte bewahrt. |
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| Dieser Museumsraum ähnelt einem umgedrehten Schiffskiel |
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| Irgendwie eindrucksvoll, aber aus dem 19. Jahrhundert |
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| Gefälschte Bénédictine-Flaschen |
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| spröde, schnell sprechend, langweilig: die Führung |
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| abseits von Etretat: die Steilküste |
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| ganz schön steil, die Steilküste |
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| schaurig schön, wenn man am Rand steht (und nicht schwindelfrei ist) |
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| außer uns sind nur ein paar Rinder da |